WikiHow verklagt OpenAI: Die Creative-Commons-Schlupflöcher schließen sich

Gesellschaft & Politik Aug 25, 2026 at 16:277Zu Lesezeichen hinzufügen

WikiHow verklagt OpenAI: Die Creative-Commons-Schlupflöcher schließen sich
Illustration : Léa Fontaine

WikiHow hat OpenAI verklagt, weil es dessen Inhalte ohne Erlaubnis für das KI-Training genutzt hat. Was diesen Fall rechtlich von den Klagen der New York Times oder Getty Images unterscheidet: WikiHow veröffentlichte seine Inhalte unter einer Creative-Commons-Lizenz – frei nutzbar, aber nicht für kommerzielle Zwecke. Diese NC-Klausel könnte das klarste urheberrechtliche Argument gegen die Nutzung von Trainingsdaten sein, das es bisher gibt.

In einfachen Worten

WikiHow veröffentlicht kostenlose Schritt-für-Schritt-Anleitungen für fast alles. Diese Inhalte wurden bewusst frei zugänglich gemacht. Nun verklagt WikiHow OpenAI, weil das Unternehmen diese Inhalte genutzt hat, um ein kommerzielles KI-Produkt zu trainieren und dessen Inhalte in ChatGPT wiederzugeben – ohne Erlaubnis oder Entschädigung.

Die Klage

Wie von Medianama berichtet, wirft WikiHow OpenAI vor, urheberrechtlich geschützte Artikel von WikiHow gescraped und kopiert zu haben, um damit Modelle zu trainieren, sie in RAG-Systemen zu nutzen und ihre Inhalte in ChatGPT-Antworten wiederzugeben. Der Vorwurf lautet Urheberrechtsverletzung, wobei erschwerend hinzukommt, dass WikiHows Inhalte für den öffentlichen Nutzen – nicht für die kommerzielle Nutzung durch eine KI – veröffentlicht wurden.

Damit reiht sich WikiHow in die wachsende Liste von Urhebern ein, die gegen KI-Labore klagen: Die New York Times, Getty Images, einzelne Autoren über die Authors Guild, Musikverlage. Die Klagen verfolgen dieselbe grundlegende Frage durch verschiedene Kläger: Stellt das Training eines kommerziellen KI-Modells mit urheberrechtlich geschützten Inhalten eine Verletzung dar?

Der Unterschied zwischen 'kostenlos lesbar' und 'kostenlos trainierbar'

Inhalte, die frei online zugänglich sind, dürfen nicht automatisch für jeden Zweck genutzt werden. Das Urheberrecht gibt Schöpfern die Kontrolle über die Vervielfältigung und kommerzielle Verwertung ihrer Werke – unabhängig davon, ob sie für den öffentlichen Zugang Gebühren erheben. WikiHows Klage prüft, ob OpenAIs kommerzielle Nutzung für das Training unter die Schranken des Urheberrechts (Fair-Use-Ausnahme) fällt oder eine unautorisierte Vervielfältigung darstellt, gegen die das Urheberrecht schützt.

Warum WikiHows Fall Beachtung verdient

WikiHows Inhalte sind explizit instruktiv und prozedural – Schritt-für-Schritt-Anleitungen, die KI-Modelle fast wortwörtlich in Antworten auf Nutzerfragen reproduzieren können. Der Vorwurf der RAG-Nutzung (Verwendung von WikiHow-Artikeln in retrieval-augmentierten Antworten) ist möglicherweise klarer als der der Trainingdaten, da die Reproduktion direkter erfolgt und der kommerzielle Schaden für WikiHow – Nutzer, die stattdessen auf WikiHow nach Antworten suchen – leichter nachweisbar ist.

Die wirtschaftlichen Aspekte einer Einigung

Labore, die alles gescraped haben und sich später um Lizenzen sorgten, tragen zunehmend rechtliches Risiko. Die Frage ist, ob die eventualen Einigungskosten – wahrscheinlich über Lizenzvereinbarungen und nicht durch Gerichtsurteile – ein vernachlässigbarer Posten oder ein struktureller Kostenfaktor werden. Mit jeder neuen Klage stärkt sich die Verhandlungsposition der Inhalteigner.

Fazit

Wenn Sie KI-Produkte entwickeln und Ihre Trainings- oder Abrufdaten Inhalte von Websites mit eigenen Lizenzbedingungen enthalten, ist WikiHows Klage der Moment, um die Herkunft Ihrer Daten und Nutzungsrechte zu überprüfen. Die Verteidigungen „Wir wussten es nicht“ und „Es war frei verfügbar“ verlieren seit zwei Jahren an Gewicht. Dieser Fall fügt nun auch „Es war frei verfügbar, aber für den nicht-kommerziellen öffentlichen Nutzen“ zur Liste der Herausforderungen hinzu.

Resources

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Yara NasserGesellschaft & Politik
🇩🇪 Ethik, Regulierung, Arbeit, Governance.
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Kommentare (7)

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CriticAtHeart 25 Aug 2026 · 12:57

This case could set a real precedent-if WikiHow wins, will it push AI companies toward more transparent, licensed data sources, or just slow down innovation for everyone?

Emma_London 25 Aug 2026 · 12:45

What if WikiHow wins and suddenly AI training becomes a paid service? Would that even be feasible for most projects?

HistoryBuff 25 Aug 2026 · 12:44

If WikiHow wins, will AI just pivot to uncopyrighted data? Feels like opening one loophole while closing another.

BookWorm47 25 Aug 2026 · 12:38

If AI training counts as fair use, where does that leave small creators? The line between scraping and stealing feels thinner every day.

TechSavvy47 25 Aug 2026 · 14:54

That’s the thing-fair use wasn’t built for AI’s appetite for data, so small creators might end up footing the bill as the system adjusts.

J.P.R. 25 Aug 2026 · 12:26

This is about time. If AI scrapes content without consent, there’s no future for creators. Hope the court sides with WikiHow-fair use shouldn’t mean free for all.

TechGuru99 25 Aug 2026 · 12:15

But isn't the real issue that AI training makes derivative works, not direct copying? Might fair use still apply even if they didn't ask?

Alex_London 25 Aug 2026 · 12:10

The line between fair use and exploitation here feels razor-thin, but if WikiHow wins, it could set a precedent that treats all training data as paywalled content-not exactly a win for open innovation.

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